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DNA-Schädigungen durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

B. Marczynski, T. Mensing, P. Welge, M. Raulf-Heimsoth, H.U. Käfferlein, T. Brüning
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) finden sich am Arbeitsplatz, in der Umwelt und im Haushalt. Das BGFA untersucht auf Anregung und in Zusammenarbeit mit mehreren Berufsgenossenschaften in zwei Forschungsprojekten mögliche Schädigungen des Erbmaterials DNA bei Arbeitern, die gegenüber PAK exponiert sind.
1. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
PAK sind eine große Gruppe von Substanzen, von denen einige stark krebserregend sind. Sie entstehen beispielsweise bei Verbrennungsprozessen von organischen Materialien und können an verschiedenen Arbeitsplätzen (Kokereien, Graphitelektrodenproduktion, Gussasphaltarbeiten) in unterschiedlich hohen Konzentrationen in der Luft vorkommen. Das BGFA untersucht auf Anregung und in Zusammenarbeit mit mehreren Berufsgenossenschaften in zwei Forschungsprojekten mögliche Schädigungen des Erbmaterials (DNA) bei Arbeitern, die gegenüber PAK exponiert sind. Im bereits abgeschlossenen Projekt "Reduzierung hoher innerer Belastung durch betriebliche Maßnahmen anhand von biochemischem Effekt-Monitoring" (BGFA-Projekt Tox 1) wurden verschiedene gentoxikologische Parameter in Blutproben exponierter Arbeiter gemessen und mit der gleichzeitig erhobenen äußeren Exposition (PAK in der Luft am Arbeitsplatz) und der inneren Exposition (Metabolite von PAK im Urin) in Zusammenhang gebracht (Tab. 1).

Ambient Monitoring: Luftmessungen (AMD und Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitsschutz (BGIA))
  • Messung von PAK in der Luft
Biomonitoring der inneren Exposition (Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg und das Biochemische Institut für Umweltcarcinogene in Großhansdorf)
  • Messung von PAK-Metaboliten im Urin:
    • Hydroxyphenanthrene (Metabolite des Phenanthrens)
    • 1-Hydroxypyren (Metabolit des Pyrens)
Biomonitoring früher biologischer Effekte (Gentoxizität, BGFA)
  • DNA-Einzel- und Doppelstrangbrüche, alkalilabile Stellen (Comet-Assay)
  • Chromosomenbrüche und Chromosomenverluste (Mikrokerntest, wurde im Rahmen dieser Studie etabliert)
  • 8-OxodGuo (unspezifisches DNA-Addukt)
  • anti-BPDE (spezifisches DNA-Addukt von Benzo[a]pyren)

Tab. 1: Übersicht über die im Rahmen des Projektes Tox 1 gemessenen Parameter

In einem zweiten Projekt (Chemisch-irritative Wirkung von Gussasphaltdämpfen auf die Atemwege, Imm 13), wurde bei Beschäftigten, die gegenüber Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen exponiert waren, zusätzlich der Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Exposition sowie gentoxischen Effekten untersucht. Hintergrund hierfür war, dass bei der Heißverarbeitung von Bitumen PAK-haltige Dämpfe und Aerosole freigesetzt werden können. Dieses Pilotprojekt wird nun als "Humanstudie Bitumen", an der alle Kompetenz-Zentren des BGFA beteiligt sind, weitergeführt.

Ziel beider Projekte war es zum einen, die Exposition von Beschäftigten durch Luftmessungen und Biomonitoring zu erfassen. Zum anderen sollte mit verschiedenen Verfahren untersucht werden, ob und in welchem Ausmaß diese Exposition zu Effekten auf die DNA führt. Dazu mussten neue analytische bzw. molekularbiologische Verfahren zur Erkennung erster biologischer Effekte und veränderter Strukturen entwickelt oder am BGFA etabliert werden. Die Ergebnisse der Studien sollten zusätzliche Informationen für die Früherkennung und Beurteilung von Gesundheitsstörungen von PAK-exponierten Berufskollektiven liefern.

Gentoxizität und Krebs:
Was haben Veränderungen gentoxikologischer Parameter wie Strangbruchfrequenzen oder DNA-Addukte für eine gesundheitliche Bedeutung?

Die Krebsentstehung durch chemische Stoffe ist ein Mehrstufenprozess, an dessen Beginn eine Mutation, d.h. eine an die nächste Zellgeneration weitergegebene Veränderung des Erbmaterials DNA steht. Strangbrüche eines DNA-Stranges oder beider DNA-Stränge oder Addukte (an die DNA gebundene Moleküle) erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Mutationen, sind also gewissermaßen "Unfallschwerpunkte" im Teilungszyklus der Zelle. Veränderungen der DNA können aber auch repariert werden oder die geschädigte Zelle wird durch Apoptose "aus dem Verkehr gezogen". Insofern ist nicht jede Veränderung eines gentoxikologischen Parameters mit der Entstehung von Krebs gleichzusetzen. Die Untersuchung von Strangbrüchen oder Addukten stellt aber ein Frühwarnsystem für ein krebserzeugendes Potenzial für bestimmte Stoffe oder Arbeitsbedingungen dar – Toxikologen sprechen von "frühen biologischen Effekten".


2. Das Projekt Tox 1
Auf Vorschlag des Arbeitsmedizinischen Dienstes (AMD) der BG Bau wurden innerhalb der letzten Jahre verschiedene Berufsgruppen untersucht, die gegenüber PAK exponiert waren (Abb. 1). Innerhalb dieses Verbundprojektes haben das BGIA und der AMD PAK-Luftmessungen (Äußere Exposition) durchgeführt. Das Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg und das Biochemische Institut für Umweltcarcinogene in Großhansdorf bestimmten PAK-Metabolite im Urin (Innere Exposition). Das BGFA hat verschiedene gentoxikologische Parameter (Biomarker des Effekts) in Blutproben der Beschäftigten gemessen und war verantwortlich für Koordination und Auswertung.

In nahezu allen Teilprojekten wurden nicht- exponierte Arbeiter als Kontrollgruppen untersucht. Bei der statistischen Auswertung wurden auch die Einflüsse des Alters, des Rauchverhaltens, der ethnischen Abstammung und der Industriezweige auf die Ergebnisse berücksichtigt.

Abb. 1: Strukturformeln verschiedener polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe
Abb. 1: Strukturformeln verschiedener polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (Für eine vergrößerte Darstellung bitte auf das Bild klicken.)


2.1. Eingesetzte Methoden
Es wurde die DNA aus weißen Blutzellen von insgesamt 227 Berufstätigen untersucht, die gegenüber PAK in der Herstellung von Feuerfestprodukten (n = 119), in der Graphitelektrodenherstellung (n = 30), in Kokereien (n = 51) oder Konverterbetrieben (n = 27) exponiert waren. In der abschließenden Auswertung wurden nur die Beschäftigten, für die ein kompletter Datensatz inklusive personenbezogener Luftmessungen vorgelag, berücksichtigt.

Schädigungen der DNA aus weißen Blutzellen (in Form von Einzel- und Doppelstrangbrüchen oder alkalilabilen Stellen) wurden mit dem so genannten 'Comet-Assay' (alkalische Einzelzell-Mikrogelelektrophorese) gemessen. Das unspezifische DNA-Addukt 8-Oxo-7,8-dihydro-2´-deoxyguanosin (8-OxodGuo; 8-OH-dG) wurde mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie und elektrochemischer Detektion (HPLC-ECD) bestimmt. Zusätzlich wurde im Rahmen des Projektes ein Verfahren etabliert, das die Messung eines spezifischen DNA-Adduktes von Benzo[a]pyren (B[a]P) (anti-Benzo[a]pyrendiolepoxid(anti-BPDE)-DNA-Addukt) mittels zweidimensionaler HPLC und Fluoreszenz-Detektion (2D-HPLC-FLD) erlaubt. Es wurden die Konzentrationen von 16 ausgewählten PAK (EPA-PAK) am Arbeitsplatz in der Luft sowie die Konzentrationen der Metabolite (Abbauprodukte) der PAKs Pyren (1-Hydroxypyren, 1-OH-P) und Phenanthren (Summe aus 1-, 2+9-, 3- und 4-Hydroxyphenanthren, OH-Ph) im Urin gemessen.

2.2 DNA-Schädigungen konnten bei PAK-exponierten Arbeitern ermittelt werden
Im Vergleich zur Kontrollgruppe weisen PAK-exponierte Arbeiter insgesamt sowohl eine signifikant erhöhte DNA-Strangbruchfrequenz als auch signifikant erhöhte 8-OxodGuo-Adduktraten auf. Ebenso konnten Unterschiede in der Frequenz der DNA-Strangbrüche und die 8-OxodGuo-Rate zwischen Arbeitern in unterschiedlichen Gewerken festgestellt werden. Die höchsten Raten an DNA-Strangbrüchen wurden bei Arbeitern der Graphitelektrodenproduktion gefunden, gefolgt von denjenigen in der Produktion feuerfester Materialien, Kokereiarbeitern und Beschäftigten in den Konverterbetrieben. Die niedrigsten DNA-Strangbruchraten lagen bei den nicht-exponierten Personen (Kontrollen) vor. Ein ähnliches Bild ergab sich für die Raten unspezifischer DNA-Addukte (8-OxodGuo). Auch hier wurden mit Abstand die höchsten Adduktraten bei Personen aus der Graphitelektrodenproduktion gefunden. Die Arbeiter aus den Konverterbetrieben wiesen höhere Werte auf als diejenigen aus den Kokereien. Auch im Falle des 8-OxodGuo wurden die niedrigsten Adduktraten bei den nicht-exponierten Personen gemessen. Es konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der DNA-Strangbruch- und DNA-Adduktrate und der äußeren Exposition (Summe der Konzentrationen aller 16 gemessenen EPA-PAK) ermittelt werden. Dies legt die Vermutung nahe, dass diese Effekte auf die Exposition gegenüber PAK zurückzuführen sind.

Zusätzlich konnten signifikante Zusammenhänge zwischen der DNA-Strangbruchrate und dem Ausmaß der Bildung von 8-OxodGuo-Addukten gefunden werden. Die Bildung von 8-OxodGuo kommt damit als eine wichtige Ursache für das Entstehen der DNA-Strangbrüche in Betracht. Dies deutet wiederum darauf hin, dass PAK nicht nur über die Bildung spezifischer DNA-Addukte (z. B. derjenigen des B[a]P) sondern auch unter Beteiligung reaktiver Sauerstoffradikale (oxidativer Stress) gentoxisch wirken können.

Abb. 3: Rangfolge der mittleren Konzentration der PAK-Metabolite im Urin in verschiedenen Gewerken (1-OH-P = 1-Hydroxypyren, Ó OH-Ph = Summe der gemessenen Hydroxyphenanthrene)
Abb. 3: Rangfolge der mittleren Konzentration der PAK-Metabolite im Urin in verschiedenen Gewerken (1-OH-P = 1-Hydroxypyren, ∑ OH-Ph = Summe der gemessenen Hydroxyphenanthrene)

Bei der Auswertung der Ergebnisse des Biologischen Monitorings zeigten sich signifikant höhere Konzentrationen an PAK-Abbauprodukten im Urin bei exponierten Personen. Dabei nahm die Ausscheidung signifikant mit der Luftbelastung zu. Alter und Nationalität hatten auf beide Parameter keinen Einfluss, während aktuelle Raucher gegenüber Nichtrauchern signifikant höhere Konzentrationen an Metaboliten im Urin aufwiesen. Auch hinsichtlich der Urinparameter bestanden signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerken, wie sie bereits für die Parameter der Gentoxizität beobachtet werden konnten. Es ergab sich folgende Reihenfolge für die Konzentration des Biomarkers 1-OH-P im Urin: Graphitelektrodenbau > Konverterbetriebe > Feuerfestprodukte > Kokereiarbeiter > Kontrollen. Für die Konzentration der Summe der Metabolite des Phenanthrens im Urin (OH-Ph) eine andere Reihenfolge: Konverterbetriebe > Feuerfestprodukte > Graphitelektrodenbau > Kokereiarbeiter > Kontrollen (Abb. 3).

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die einzelnen PAKs in verschiedenen Gewerken in einem unterschiedlichen Konzentrationsverhältnis vorliegen und damit zu einer unterschiedlichen Gefährdung führen können. Auch zwischen den Markern der inneren Dosis im Urin (1-OH-P und OH-Ph) und den gentoxikologischen Parametern (DNA-Strangbruchrate und DNA-Addukte) konnte ein Zusammenhang festgestellt werden.

Insgesamt weisen die Daten auf eine höhere Gefährdung der Arbeiter bei einer PAK-Exposition im Graphitelektrodenbau hin. Dies konnte vor kurzem auch durch Merlo et al. (1) in Italien gezeigt werden. Die Autoren führten die höhere Krebsrate und Mortalität bei den Graphitelektrodenherstellern aber auch auf eine zusätzliche Quarzsand-Exposition zurück. Auch wir gehen davon aus, dass das in unserer Studie ermittelte höhere gentoxische Potenzial bei Graphitelektrodenherstellern in Form des 8-OxodGuo und der DNA-Strangbrüche in weißen Blutzellen möglicherweise nicht ausschließlich durch eine PAK-Exposition verursacht wurde, sondern durch zusätzliche Faktoren wie Asbest, Quarz oder Metallexposition moduliert worden sein könnte. Von den PAK spielt insbesondere das B[a]P eine wichtige Rolle, da es sich hierbei um ein sehr gut untersuchtes stark kanzerogenes PAK handelt. In 69 Proben exponierter Arbeiter wurde deshalb zusätzlich ein spezifisches DNA-Addukt des B[a]P, das so genannte anti-BPDE, in weißen Blutzellen gemessen. Die ermittelten Werte lagen zwischen < 0,5 Addukte/108 Nukleotide und 41,1 Addukten/108 Nukleotiden. Die Resultate stehen in guter Übereinstimmung mit bisher veröffentlichten Ergebnissen anderer Arbeitsgruppen (2). Es konnte hier allerdings kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Konzentration an B[a]P in der Luft und den BPDE-DNA-Addukten gefunden werden.

Abb. 2: Wartungsarbeiten an einer Koksofendecke der inzwischen stillgelegten Kokerei August Thyssen (mit freundlicher Genehmigung von Dr. Scherenberg, AMD der BG Bau).
Abb. 2: Wartungsarbeiten an einer Koksofendecke der inzwischen stillgelegten Kokerei August Thyssen (mit freundlicher Genehmigung von Dr. Scherenberg, AMD der BG Bau).

Insgesamt spiegeln die Messungen des spezifischen Adduktes des B[a]P niedrige Konzentrationen von B[a]P in der Luft an unterschiedlichen Arbeitsplätzen wider. Diese Ergebnisse müssen aufgrund der geringen Probandenzahl allerdings mit Vorbehalt betrachtet werden.

3. Gentoxische Wirkung von Gussasphaltdämpfen auf die Atemwege
Im Rahmen des BGFA-Projektes Imm13 (Chemisch-irritative Wirkung von Gussasphaltdämpfen auf die Atemwege) wurden bei 66 Bitumen-exponierten Beschäftigten und 49 Kontrollen vor und nach der Schicht neben Entzündungsmarkern in den oberen und unteren Atemwegen sowie irritativen Effekten auch Biomarker des Effekts (8-OxodGuo, DNA-Strangbrüche) und der Exposition (1-OH-P und Summe der OH-Ph im Urin) untersucht. Außerdem wurden während der Schicht personenbezogene Messungen der Bitumen-Dämpfe und Aerosole in der Luft durchgeführt. Basierend auf den jeweiligen aktuellen Expositionen gegen Dämpfe und Aerosole aus Bitumen wurden die Gussasphaltarbeiter entweder in die Gruppe der hoch exponierten oder der niedrig exponierten Beschäftigten eingestuft (< 10 mg/m³, >= 10 mg/m³).

3.1 Beschäftigte, die gegenüber Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen exponiert sind, kommen auch mit PAK in Berührung
Der Median der Konzentration aus der Summe von Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen betrug während der Schicht 5,3 mg/m³. Die Konzentrationen von 1-OH-P und der Summe der OH-Ph im Urin dieser Arbeiter waren nach der Schicht signifikant höher als vor der Schicht, während in der Kontrollgruppe im Urin keine Veränderungen auftraten. Vor der Schicht konnten hinsichtlich der PAK-Metabolite im Urin keine Unterschiede zwischen exponierten und nicht-exponierten Arbeitern festgestellt werden. Raucher wiesen generell höhere Konzentrationen an Metaboliten im Urin auf als Nichtraucher. Die Gehalte an 1-OH-P und OH-Ph im Urin korrelierten signifikant miteinander.
Abb. 4: Beschäftigte beim Aufbringen einer Gussasphaltdecke
Abb. 4: Beschäftigte beim Aufbringen einer Gussasphaltdecke

Die Ergebnisse zeigen, dass Bitumen-exponierte Arbeiter auch gegenüber PAK exponiert sind, die Halbwertszeit der Urinmetabolite jedoch so kurz ist, dass zu Beginn der Schicht vergleichbare Ausgangswerte bei den exponierten und bei den nicht-exponierten Personen sowohl für 1-OH-P als auch für die Summe der OH-Ph vorliegen.

Bei der Betrachtung der Biomarker des Effekts wiesen die gegenüber Bitumen exponierten Personen sowohl vor als auch nach der Schicht im Vergleich zur Kontrollgruppe höhere Konzentrationen an 8-OxodGuo auf, wobei die Unterschiede nur vor der Schicht signifikant waren. Der Anstieg an 8-OxodGuo während der Schicht war sowohl für die exponierten Personen als auch für die Kontrollpersonen signifikant. Es bestand jedoch kein Zusammenhang mit der äußeren Exposition (Dämpfe und Aerosole von Bitumen in der Luft) und mit der inneren Exposition (PAK-Metabolite im Urin). Raucherstatus, Alter und Nationalität hatten keinen Einfluss auf die Höhe der 8-OxodGuo-Konzentrationen in den weißen Blutzellen. Die im Comet-Assay bestimmten DNA-Strangbruchraten lagen bei den exponierten Arbeitern sowohl vor als auch nach der Schicht signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Nach der Arbeitsschicht war die DNA-Strangbruchfrequenz in beiden Gruppen leicht erniedrigt. Die Unterschiede waren jedoch nicht statistisch signifikant. Ebenso wie bei den DNA-Addukten hatten der Raucherstatus, das Alter und die Nationalität keinen Einfluss auf die DNA-Strangbruchfrequenz. Es konnte keine Assoziation zwischen den DNA-Addukten und den DNA-Strangbruchfrequenzen sowohl vor als auch nach der Schicht festgestellt werden.

In einem Teilkollektiv der Bitumen-Arbeiter (n = 37) wurden die Raten spezifischer DNA-Addukte (anti-BPDE) vor und nach der Schicht bestimmt und mit der äußeren Belastung (Dämpfe und Aerosole von Bitumen in der Luft) sowie der inneren Belastung (1-OH-P im Urin) verglichen. Die anti-BPDE-DNA-Adduktraten weisen auf keine bzw. eine mit den hier eingesetzten Methoden nicht nachweisbare, sehr niedrige B[a]P-Exposition über die Dämpfe und Aerosole von Bitumen hin. Die im untersuchten Kollektiv gemessenen spezifischen B[a]P-Adduktraten stehen in Übereinstimmung mit den in der Literatur beschriebenen Werten bei Bitumen-exponierten Arbeitern (3) und sind auch ähnlich denjenigen, die nach PAK-Exposition gefunden werden. Dies lässt den Schluss zu, dass es nur eine geringe berufliche Exposition gegenüber B[a]P gibt.

3.2. Fragen bleiben noch offen
Zusammengfassend weisen Bitumen-exponierte Arbeiter sowohl vor als auch nach der Schicht höhere Werte an 8-OxodGuo und DNA-Strangbrüchen als nichtexponierte Arbeiter auf. Diese, zumindest für den Untersuchungszeitpunkt vor der Schicht überraschenden Ergebnisse, wurden im Falle der DNA-Strangbrüche bereits in einer früheren Studie von Fuchs et al. gezeigt (3). Im Vergleich zu einer direkten Exposition gegenüber PAK (z. B. in Kokereien etc.) sind die Konzentrationen an 1-OH-P und der Summe an OH-Ph im Urin bei Bitumen-exponierten Personen wesentlich niedriger. Dies lässt den Schluss zu, dass bei Arbeitern, die gegenüber Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen exponiert sind, keine PAK-Exposition vorliegt. Plausibel wird dies dadurch, dass das heute eingesetzte Bitumen kein teerhaltiges Recyclingbitumen mehr ist, und somit eine wesentliche Quelle der PAK-Belastung bei der Verarbeitung von Bitumen wegfällt.

Dennoch bleibt die Frage bestehen, welche Gründe es für die höheren DNA-Strangbruchraten bei Bitumen-exponierten Personen gibt, die in dieser Studie klar nachgewiesen werden konnten. Da eine Exposition gegenüber PAK bei Bitumen-exponierten Arbeitern von untergeordneter Bedeutung zu sein scheint und kein Zusammenhang zwischen 8-OxodGuo und DNA-Strangbrüchen besteht, sollten im Falle von Bitumen die höhere Menge an DNA-Strangbrüchen nicht direkt durch PAK-verursachten oxidativen Stress induziert worden sein. Da Bitumen aus vielen verschiedenen Substanzen besteht, rücken damit in zukünftigen Studien vor allem andere Gefahrstoffe (z.B. Stickstoff- und Schwefelverbindungen) in den Mittelpunkt des Interesses, die u. U. ihre DNA-schädigende Wirkung über spezifische DNA-Addukte entfalten.

Bis 2007 werden weitere Untersuchungen an insgesamt 450 Personen mit Exposition gegenüber Dämpfen und Aerosolen bei der Heißverarbeitung von Bitumen und 150 Kontrollpersonen im so genannten "Cross-Shift-Design" (Messungen vor und nach der Schicht) durchgeführt. Das Projekt ist ein Verbundprojekt mit dem dem Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin in Erlangen, dem BGIA, der Universität Gießen, dem Fraunhofer-Institut in Hannover (ITEM) sowie dem Institut für Risikoevaluierung der Universität Utrecht in den Niederlanden und wird finanziell und logistisch durch die BG Bau, den HVBG als Träger des BGFA sowie über Drittmittel seitens der Bitumenindustrie gefördert.

Literatur
  1. Merlo DF, Garattini S, Gelatti U, Simonati C, Covolo L, Ceppi M, Donato F. A mortality cohort study among workers in a graphite electrode production plant in Italy Occup Environ Med 2004; 61:1-7
  2. Brandt HC, Watson WP. Monitoring human occupational and environmental exposures to polycyclic aromatic compounds. Ann Occup Hyg 2003; 47: 349-378
  3. Fuchs J, Hengstler JG, Boettler G, Oesch F. Primary DNA damage in peripheral mononuclear blood cells of workers exposed to bitumen-based products. Int Arch Occup Environ Health 1996; 68: 141-146
  4. Marczynski B, Rihs H-P, Rossbach B, Hölzer J, Angerer J, Scherenberg M, Hoffmann G, Brüning T, Wilhelm M: Analysis of 8-oxo-7,8-dihydro-2’-deoxyguanosine and DNA strand breaks in white blood cells of occupationally exposed workers: comparison with ambient monitoring, urinary metabolites and enzyme polymorphisms. Carcinogenesis 2002; 23: 273-281
  5. Marczynski B, Preuss R, Mensing T, Angerer J, Seidel A, El Mourabit A, Wilhelm M, Brüning T: Genotoxic risk assessment in white blood cells of occupationally exposed workers before and after altering the PAH profile in the production material: comparison with PAH air and urinary metabolite levels. Int Arch Occup Environ Health 2005; 78: 97-108
  6. Mensing T, Marczynski B, Engelhardt B, Wilhelm M, Preuss R, Kappler M, Angerer J, Käfferlein HU, Scherenberg M, Seidel A, Brüning T: DNA adduct formation of benzo[a]pyrene in white blood cells of workers exposed to polycyclic aromatic hydrocarbons. Int J Hyg Environ Health 2005; 208: 173-178
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