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Wie häufig sind chronisch obstruktive Lungenerkrankungen?Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) gehören weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Die World Health Organisation (WHO) schätzte im Jahre 1996 die Anzahl der Raucher (Rauchen: größter COPD-Risikofaktor) unter der Bevölkerung älter als 15 Jahre weltweit auf ca. 1,1 Mrd. Menschen. Trotz zunehmender Inzidenz der COPD liegen weltweit keine verlässlichen Zahlen für die Prävalenz der COPD vor. Die WHO schätzt ihre Prävalenz weltweit auf 0,8 %, andere Quellen auf 4 bis 6%. Die Autoren untersuchten 32 Artikel aus 17 verschiedenen Industriestaaten aus den Jahren 1962 bis 2001. Eine Klassifikation der Studien erfolgte nach der angewandten Methode zur Diagnose der COPD. Dabei wurde unterschieden in (a) Spirometrie mit oder ohne klinische Untersuchung (11 Studien), (b) Symptome der Atemwege (14 Studien), (c) Anamnese des Patienten (10 Studien) oder (d) Expertenmeinung. Es wurden Prävalenzen zwischen 0,23 bis 18,3% geschätzt, insgesamt zeigten sich die beobachteten Raten bei Männern höher als bei Frauen. Die auf der Spirometrie basierenden Studien zeigten eine Spannweite von 2 bis 22,1%, wobei 16 Studien - meist aus Europa oder Nordamerika - über Prävalenz-Raten zwischen 4 und 10% berichteten. Die WHO-Studie, die größtenteils auf Expertenmeinung beruht, zeigte mit Raten zwischen 0,23 und 2,5% die niedrigsten Prävalenzen auf. Die beobachteten Schwankungen in den Prävalenzen können auf Unterschieden in den möglichen Expositionen und der jeweiligen Bevölkerungsstruktur beruhen.
Ursächlich für die Variabilität sind wahrscheinlich jedoch vor allem die unterschiedliche Definition des Krankheitsbildes und die jeweils verfügbaren diagnostischen Hilfsmittel. Insgesamt muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die Verbreitung der COPD und die damit verbundene Morbidität in der Bevölkerung weltweit unterschätzt werden.
Kommentar:
Dieses Review verdeutlicht eindrücklich die dringende Notwendigkeit, eine belastbare Datenbasis für die Einschätzung der Relevanz der COPD zu finden. So hält schon die Frage nach der landes- oder weltweiten Prävalenz der COPD einer näheren Betrachtung nicht stand. Länder mit einem hohen Zigarettenkonsum der Bevölkerung berichten über niedrige COPD-Raten und umgekehrt. Daher
müssen methodische Verbesserungen insbesondere in der Gesundheitsberichterstattung greifen, so z.B. die sorgfältigere Auswahl der Teilnehmer eines Surveys über ein statistisches Zufallsverfahren und die Durchsetzung einer weltweit einheitlichen Definition des Krankheitsbildes. Gerade in Hinsicht auf die Terminologie des Krankheitsbildes und auf die Festsetzung der Grenzwerte und der Qualitätskontrolle in der Lungenfunktionsprüfung besteht weltweit Handlungsbedarf. Bei steigender Inzidenz und Prävalenz der COPD kann erst mit Hilfe belastbarer Daten eine Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen zu einer zukünftigen Prävention und verbesserten Therapie der COPD gelegt werden.
Halbert RJ, Isonaka S, George D, Iqbal A: Interpreting COPD prevalence estimates: What is the true burden of disease? Chest 2003;123:1684-92
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