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Für Sie gelesen - Internationale Literatur
Zellen ohne HeimwehDie Autoren transferierten zunächst DNA mit unterschiedlichen Genen in kultivierte, nicht-maligne intestinale Rattenepithelzellen und setzten die Zellen im Anschluss in eine adhäsionsunfähige Umgebung (in-vitro). Nahezu alle Zellen starben, bis auf diejenigen Zellen, die das Gen zur Expression von TrkB, einem neurotrophen Tyrosinkinase-Rezeptor, erhalten hatten (TrkB-Zellen). Diese Zellen waren in der Lage, sphärische und in Suspension wachsende Zellaggregate zu bilden, die der Anoikis widerstanden. Analoge Versuche wurden auch mit dem entsprechenden primären Liganden von TrkB, dem hirnstämmigen neurotrophen Faktor (Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF)), sowie mit Zellen unternommen, die gleichzeitig TrkB und BDNF exprimieren. Dabei stellte sich heraus, dass BDNF-Zellen abstarben, während TrkB/BDNF-Zellen eine Überlebensrate auszeichnete, die sogar noch diejenige der reinen TrkB-Zellen übertraf. Um zu überprüfen, inwiefern es sich bei den beschriebenen Vorgängen tatsächlich um eine Unterdrückung der Anoikis, d.h. der Apoptose durch Verlust der Zelladhäsion handelt, wurde sowohl in Kontrollzellen als auch in BDNF- und TrkB-Zellen die Bildung von Caspase-3 in seiner gespaltenen Form (einem primären Auslöser der Apoptose) bestimmt. Die Bildung von Caspase 3 funktionierte dabei lediglich in den Kontroll- und BDNF-Zellen, während sie in den TrkB-Zellen unterdrückt wurde. Douma et al. konnten auch die Stellung von TrkB innerhalb der zellulären Signalkette identifizieren, nämlich die direkte Aktivierung der Phosphatidylinositol-3-OH Kinase (PI(3)K) und Proteinkinase B (PKB), bereits bekannten und potenten Anoikis-Inhibitoren. Um den biologischen Effekt von TrkB innerhalb der Kanzerogenese zu überprüfen, applizierten die Autoren nicht-maligne Kontroll-, BDNF-, TrkB- und TrkB/BDNF-Rattenepithelzellen intravenös und subkutan an Mäusen. Dazu wurden vorher alle Zellen zusätzlich in dem Sinne verändert, dass sie auch Luziferase koexprimieren, welches eine nicht-invasive Überwachung der applizierten Zellen in lebenden Mäusen (in-vivo) mittels bildgebender Verfahren ermöglicht. Sowohl nach intravenöser als auch nach subkutaner Applikation wurden die gleichen Resultate beobachtet: Epitheliale Kontrollzellen als auch BDNF-Zellen waren nach 100 Tagen nicht in der Lage, die Bildung von Tumoren zu induzieren und ihr entsprechendes Luziferase-Signal konnte bereits nach 6-10 Tagen nicht mehr nachgewiesen werden. Dies ist in Übereinstimmung mit der Tatsache, dass gesunde Epithelzellen bei Verlust der Zelladhäsion nicht in der Lage sind, eine längere Zeit in gewebefremder Umgebung zu überleben. Im Gegensatz dazu ließen sich TrkB-Epithelzellen in der Lunge und im Herzen nieder und induzierten nach ca. 27 Tagen schnell wachsende Tumore in diesen Organen. Darüber hinaus verursachten auch TrkB/BDNF-Zellen mit einer geradezu beeindruckenden Geschwindigkeit (18 Tage) zerstörerische und schnellwachsende Tumore sowie Metastasen im gesamten Mauskörper.
Alle Tumore zeigten mittels TrkB-spezifischer Immunohistochemie invasives Verhalten in Leber, Niere, Lunge, Herz und Knochenmark.


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