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© Institut für Prävention und Arbeitsmedizin
der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
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> BGFA-Info 03/2004

Berufsbedingte Allergien

M. Zaghow, R. Merget
Der sprunghafte Anstieg umweltbedingter allergischer Erkrankungen in den letzten Jahren hat vor berufsbedingten Allergien scheinbar halt gemacht. In den letzten zehn Jahren ist ein Rückgang der angezeigten und anerkannten Berufsallergien festzustellen. Sie betreffen v.a. die Haut, die Atemwege und die Lunge. Bei berufsbedingten allergischen Erkrankungen der Atemwege gegenüber hochmolekularen Allergenen besteht häufig eine allergische Disposition. Es gilt inzwischen als gesichert, dass die Sensibilisierungshäufigkeiten von der Allergendosis, d.h. von der Allergenkonzentration in der Luft am Arbeitsplatz abhängig sind. Präventive Maßnahmen (u.a. arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen) wurden wissenschaftlich evaluiert und erwiesen sich als effektive Präventionswerkzeuge.
Allergische Erkrankungen allgemein
Die Zahl der umweltbedingten allergischen Erkrankungen hat in den letzten Jahrzehnten sprunghaft zugenommen. Welche Faktoren zu diesem Anstieg geführt haben, ist nach wie vor nicht umfassend beantwortet. Genetische Ursachen wie z.B. Suszeptibilitäten können weitestgehend ausgeschlossen werden, da sich dieser Anstieg innerhalb einer Generation vollzogen hat. Gründe hierfür müssen vielmehr in der Umwelt und einem geänderten Lebensstil ("western life style") gesucht werden. Die in diesem Zusammenhang formulierte ´Hygiene-Hypothese’ besagt, dass infolge einer immer saubereren Umgebung des Einzelnen und dem u.a. daraus resultierenden Wegfall parasitärer Belastungen für den Organismus das Immunsystem sich gegen eigentlich harmlose Stoffe richtet. Insbesondere ist hier das IgE zu nennen, das primär für die Reaktion auf derartige Stoffe zuständig ist.
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Abb.1: Historische Entwicklung der BK 4301 (allergisch obstruktive Atemwegserkrankungen, Quelle BK-Dok, HVBG) Für eine vergrößerte Darstellung, bitte auf die Abbildung klicken

Nach wie vor herrscht Unklarheit darüber, welche Mechanismen dazu führen, dass jemand, der sensibilisiert ist - und dies kann er schon längere Zeit sein - plötzlich klinische Symptome aufweist. Rauchen ist ein möglicher Risikofaktor, der die Entstehung sowohl von Kontaktallergien als auch Erkrankungen der Atemwege wie z.B. das berufsbedingte Asthma durch einige niedermolekulare Allergene begünstigt. Bei berufsbedingten allergischen Erkrankungen gegenüber hochmolekularen Allergenen besteht häufig eine atopische Disposition. So tritt z.B. bei Personen, die mit Labortieren Umgang haben, eine berufsbedingte Rhinitis oder ein berufsbedingtes Asthma insbesondere dann auf, wenn sie bereits vor Berufsantritt gegen Pollen sensibilisiert sind.

Berufsbedingte Allergien
Berufsbedingte Allergien betreffen v.a. die Haut, die Atemwege und die Lunge. Beruflich bedingte Hauterkrankungen machen weltweit und auch in Deutschland rund 30% aller Berufserkrankungen aus. Dabei nehmen irritative oder kontaktallergische Handekzeme die Spitzenposition ein. Die Prävalenz asthmatischer Erkrankungen von exponierten Beschäftigten an verschiedenen Arbeitsplätzen ist besonders hoch bei Bäckern, Tierärzten, in der Nahrungsmittelproduktion, der Tierhaltung, in Platinscheidereien und im Gesundheitswesen (bei Umgang mit Latexprodukten).

In Deutschland werden berufsbedingte allergische obstruktive Atemwegserkrankungen überwiegend unter der Berufskrankheitennummer 4301 zusammengefasst, für allergische Erkrankungen der Haut ist es die BK 5101 (s. Glossar).

Die aktuelle Statistik des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) besagt, dass sowohl die Zahlen der angezeigten als auch die der anerkannten Fälle seit Jahren rückläufig sind. Gingen im Jahr 2001 noch 3342 Anzeigen bei Verdacht auf eine BK 4301 beim HVBG ein, so waren es im Jahr 2003 nur noch 2400 (s. Abb. 1). Davon wurden etwa ¼ als Berufskrankheit anerkannt. Betrachtet man die Statistik hinsichtlich der Ursachen, so kann man feststellen, dass mehr als ein Drittel aller Fälle der allergischen obstruktiven Atemwegserkrankungen durch Mehl und Backzusatzstoffe hervorgerufen wird.

Bei der BK 5101 liegen die Zahlen bei 19189 im Jahr 2001 und bei 15031 im Jahr 2003. Allergische Hauterkrankungen werden gleichbleibend mit etwa 3000 Fällen pro Jahr bestätigt. Ursachen der allergischen Hauterkrankungen sind häufig Konservierungs-, Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Friseurstoffe.

Isocyanat-bedingte Erkrankungen sind mit ca. 50-60 anerkannten Fällen pro Jahr in Deutschland vergleichsweise selten. Isocyanate zählen jedoch laut Angaben von Frew [1] weltweit zu den wichtigsten beruflichen Allergenen.

Prävention
Es gilt inzwischen als gesichert, dass die Sensibilisierungshäufigkeiten von der Allergendosis abhängig sind [2, 3, 4]. Allerdings kann man hierbei nicht von einer linearen Beziehung zwischen Dosis und Erkrankungshäufigkeit ausgehen. Dem standardisierten Monitoring von Allergenen am Arbeitsplatz kommt deshalb eine ganz entscheidende Bedeutung zu.
Abb. 2: Atemschutzmaske
Abb. 2: Atemschutzmaske

Beispiel für eine erfolgreiche Allergenvermeidung ist die gerade Anfang der 90iger Jahre verstärkt auftretende Allergie gegen Naturlatex im Gesundheitswsen. Hier konnten nach intensiven Forschungsbemühungen die Allergene in Naturlatexhandschuhen erkannt und charakterisiert werden. Als Hauptallergenträger wurde das stärkehaltige Puder der Handschuhe ermittelt. Nach einer intensiven Aufklärungskampagne, insbesondere von Seiten der BG Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, wurden gepuderte Naturlatexhandschuhe weitestgehend aus Arztpraxen und Kliniken verbannt. So sanken die Zahlen für bestätigte Fälle einer BK 5101 und BK 4301 infolge einer Naturlatexallergie zwischen 1998 und 2001 um mehr als die Hälfte.

Bei berufsbedingten allergischen obstruktiven Atemwegserkrankungen durch hochmolekulare Substanzen ist eine vorbestehende Atopie ein Faktor, der die Entstehung einer berufsbedingten Allergie begünstigt. Bei isocyanatbedingten Erkrankungen und der exogen allergischen Alveolitis, einer nicht IgE-vermittelten Erkrankung, ist die Atopie kein Risikofaktor. Wichtig ist es deshalb, dass insbesondere Hausärzte dafür gewonnen werden, anlässlich der Jugendschutzuntersuchungen, Atopiker dahingehend zu beraten, dass sie nicht Berufe ergreifen, die bekanntermaßen mit einer Belastung durch hochmolekulare Allergene einhergehen.

Die Sekundärprävention dient der möglichst frühzeitigen Erfassung von Krankheitssymptomen. Durch eine rechtzeitige Intervention soll die Krankheit verhindert oder zumindest ein schwerer Verlauf vermieden werden. Es ist wichtig, Gefährdungsbereiche zu erkennen, in denen die Arbeitshygiene nicht ausreichend ist (s. Abb. 2). Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen (G23 und G 24) sind bislang weder bei atemwegs- noch bei hautbelastenden Einwirkungen zwingend vorgeschrieben, so dass trotz wissenschaftlicher Hinweise auf die Effektivität von sekundärpräventiven Maßnahmen [5] hier weiter Defizite bestehen bleiben. Eine Überarbeitung der arbeitsmedizinischen Vorsorge bzw. der Gefahrstoffverordnung steht an, offensichtlich ergeben sich hinsichtlich der beruflichen allergischen Krankheiten Änderungen.

Literatur
  1. Frew AJ: Advances in environmental and occupational diseases 2003. J Allergy Clin Immunol 2004; 113: 1161-1166
  2. Houba R: Occupational respiratory allergy in bakery workers - Relationship with wheat and fungal Amylase aeroallergen exposure. Landbouwinuniversiteit Wageningen, Department of Epidemiology and Public Health, NL, 1996
  3. Cullinan P, Lowson D, Nieuwenhuijsen MH, Gordon S, Tee RD, Venables KM, McDonald JC, Newmann Taylor AJ: Work related symptoms, sensitisation, and estimated exposure in workers not previously exposed to laboratory rats. Occup Environ Med 1994; 51:589-592
  4. Baur X, Chen Z, Allmers H, Beckmann U, Walther JW: Relevance of latex aeroallergen for health care workers. Allergology Internat 1996; 20:105-111
  5. Merget R, Caspari C, Dierkes-Globisch A, Kulzer R, Breitstadt R, Kniffka A, Degens P, Schultze-Werninghaus G.: Effectiveness of a medical surveillance programme for the prevention of occupational asthma due to platinum salts. A nested case-control study. J. Allergy Clin Immunol 2001; 107: 707-712
Ruhr-Universität Bochum  

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