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Latexallergie: Eine aktuelle Bestandsaufnahme

In dieser Übersichtsarbeit wird der aktuelle Kenntnisstand zum Thema Latex, deren Allergene, Diagnostik und assoziierten Nahrungsmittelallergien vorgestellt.

Die Latexallergie trat insbesondere zum ausgehenden 20. Jahrhundert auf, da hier infolge der AIDS-Prophylaxe der Verbrauch an gepuderten Latexhandschuhen in Arztpraxen und Krankenhäusern rasant nach oben schnellte. Ein weiterer Grund für die Zunahme der Latexallergien ist auf ein geändertes Herstellungsverfahren zurückzuführen. Dadurch, dass immer mehr und billigere Handschuhe produziert werden mussten, stieg der Proteinanteil und somit die eigentliche Allergenquelle.

Bestätigte Fälle einer BK 5101 (schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen)  beziehungsweise BK 4301 (Obstruktive Atemwegserkrankungen durch allergisierende Stoffe)
Bestätigte Fälle einer BK 5101 (schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen) beziehungsweise BK 4301 (Obstruktive Atemwegserkrankungen durch allergisierende Stoffe. Für eine vergrößerte Darstellung auf die Grafik klicken.

1998 betrug die Prävalenz der Sensibilisierungen gegen Naturlatex in medizinischen Berufen bis zu 17%.

Als Hauptallergenträger konnte der gepuderte Latexhandschuh identifiziert werden. Endotrachealtuben, Beatmungsmasken, Infusionsbestecke, Blasenkatheder, Kompressionsstrümpfe und Pflaster sind ebenfalls häufig latexhaltig. Insbesondere das Handschuhpuder dient den Latexallergenen als Trägersubstanz, die neben direkten Hautreaktionen auch als Aeroallergene respiratorische Probleme bei exponierten und sensibilisierten Personen hervorrufen können. Spina bifida Patienten stellen eine ebenfalls bedeutende Risikogruppe dar. Prävalenzen bis zu 72% wurden hier gefunden. Es wird vermutet, dass die Antikörperbildung dabei durch die ersten Operationen, die unmittelbar nach der Geburt erfolgten, initiiert und durch die folgenden Eingriffe stimuliert wird.

Die Latexallergie vom Typ I stellt eine klassische Soforttypreaktion mit IgE-Vermittlung dar. Bis heute sind 16 Latexallergene nach der IUIS Allergennomenklatur mit Hev b 1 bis Hev b 13 bezeichnet worden. Das Molekulargewicht der Proteine liegt zwischen 4,7 kD und 60 kD.

Die Autoren gehen in ihrer Arbeit näher auf die Diagnostik der Latexallergie sowie auf Nahrungsmittelallergien, die mit einer Latexallergie assoziiert sind, ein. Die Ursache hierfür liegt in kreuzreagierenden IgE-Antikörpern, die mit gleich bzw. ähnlich strukturierten Epitopen auf unterschiedliche Allergene reagieren. Hierzu gehören Bananen, Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Kiwis, Esskastanien und zahlreiche andere Nahrungsmittel.

Infolge der enormen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Bedeutung der Latexallergie ist Latex eine der am meisten untersuchten Allergenquellen geworden. Es wurden verstärkt Anstrengungen unternommen, die Ursachen und Auslöser zu identifizieren, eine Diagnostik aufzubauen und diese laufend zu verbessern sowie präventive Maßnahmen zu etablieren. Die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung über die Allergenität der Latexprodukte sowie die Bedeutung des Puders als Träger von Latexallergenen haben zahlreiche präventive Maßnahmen zur Folge. So wurde z.B. Naturlatex und naturlatexhaltiger Staub als atemwegs- und hautsensibilisierender Stoff in die TRGS 907 aufgenommen. Seit 1998 gilt Austauschpflicht für gepuderte Latexhandschuhe. Operative Eingriffe bei Spina bifida Patienten finden in latexfreien Operationsräumen statt. All diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass bereits 1999 die gemeldeten Verdachtsanzeigen auf eine Berufskrankheit als Folge einer Latexallergie abnahmen und der Positivtrend scheint sich fortzusetzen.

Dennoch gibt es noch Latexallergenquellen, die bisher wenig beachtet wurden (z.B. gepuderter Kofferdam in der Zahnmedizin). Es ist daher eine Kennzeichnungspflicht für latexhaltige Materialien zu fordern, um Latexallergiker zu schützen und Neusensibilisierungen vorzubeugen.

Raulf-Heimsoth M, Sander I, Rihs HP, Merget R, Brüning T: Latexallergie: Aktuelle Bestandsaufnahme. Akt Dermatol 2003; 29: 176-184
MZ
Ruhr-Universität Bochum  

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